Der Staat ist schuld!

Die großen US-Braukonzerne wie Anheuser-Busch und Miller wurden ursprünglich sogar mal von deutschen Einwanderern gegründet und stehen damit, so schmerzhaft es ist auszusprechen, eher in deutscher als britischer Brautradition - das Problem ist:
Mit der Prohibition ist die Braukultur in den USA faktisch einmal komplett ausgelöscht worden.
Danach wollten die Leute vor allem wieder was mit Wirkung haben. Die bekannten US-Lagerbiere sind daher auf Kosten (z.B. durch Beimischung von Reis als Rohfrucht statt komplett mit Gerstenmalz) und laschen Geschmack optimiert.
Warum regelt aber der Markt nicht über die Jahre?
Ganz einfach: weil es ihn kaum gibt.
Auch nach der Prohibition blieb Alkoholvertrieb in den USA erheblich stärker reguliert als in Europa und ist es bis heute.
Das größte Problem ist das sogenannte "Three-Tier-System":
- Produzenten
- Distributoren
- Einzelhandel
sind von Gesetzes wegen streng getrennt. Eine Brauerei darf nicht einfach direkt eine Supermarktkette oder einen Pub beliefern.
Die Distributoren unterliegen durch sogenannte "Franchise Laws" (etwas unterschiedlich nach Bundesstaat) keinem normalen Marktdruck. Eine Brauerei kann den Distributor nicht ohne Weiteres wechseln.
Besseres Bier verschiebt vor allem die Nachfrage zwischen Biermarken und Bier und anderen alkoholischen Getränken, anstatt wirklich den Gesamtabsatz zu steigern. Die Distributoren haben also vor allem den Anreiz, ihren Aufwand und ihre Kostenstruktur zu optimieren, nicht das beste Bier im Handel zu platzieren.
Woher kommt der Craft-Beer-Hype der letzten Jahre?
Die meisten Bundesstaaten haben über die Jahre Ausnahmen vom Three-Tier-System für Direktverkauf eingeführt. Das erlaubt z.B. typischerweise einer Brauerei, die mindestens 25% vom Gesamtabsatz über den eigenen Taproom macht, einen Direktvertrieb zum Konsumenten.
Kleine Brauereien sind also wieder verhältnismäßig leicht zu betreiben und mittlerweile auch wieder zahlreich entstanden, sie werden aber weiter durch das Three-Tier-System daran gehindert, über einen Taproom + etwas Direktverkauf hinaus zu wachsen.
Das führt dann auch dazu, dass man in den USA mittlerweile durchaus trinkbare IPAs etc. bekommt, aber weiterhin Bierstile, die technisch aufwändiger sind, wie gutes Pils vergebens sucht.